Manuell richtig belichten

Von Marvin Rust

Drohnenlandschaftsbild von oben zeigt einen Kies-Strand mit Boot aber das Bild ist drei geteilt, so dass über- und unterbelichtung dargestellt werden

Warum ISO, Zeit und Blende zusammengehören

Wer anfängt sich ernsthaft mit Fotografie zu beschäftigen, stolpert früher oder später über drei Begriffe: ISO, Belichtungszeit und Blende.

Diese drei Werte bestimmen gemeinsam, wie hell oder dunkel ein Foto wird. Man spricht deshalb oft vom Belichtungsdreieck.

Und auch wenn moderne Kameras vieles automatisch erledigen können – ein grundlegendes Verständnis dieser drei Parameter ist einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zu besseren Bildern.

Denn eines vorweg:
Die eine perfekte Belichtung gibt es nicht.

Es gibt nur eine Belichtung, die zu deinem Motiv und deiner Bildidee passt.


Was bedeutet Belichtung überhaupt?

Die Belichtung beschreibt ganz einfach die Menge an Licht, die während der Aufnahme auf den Sensor deiner Kamera fällt.

Ist zu viel Licht vorhanden, spricht man von Überbelichtung.
Ist zu wenig Licht vorhanden, entsteht eine Unterbelichtung.

Das Problem dabei: In beiden Fällen gehen Bildinformationen verloren.

Ein überbelichteter Himmel wird zum Beispiel einfach nur noch weiß – ohne Struktur in den Wolken.
Ein zu dunkler Bereich verliert hingegen Details in den Schatten.

Ziel ist es also, möglichst viele Bildinformationen zu erhalten und die Helligkeit so zu steuern, dass sie zum Motiv passt.


Moderne Kameras können viel – aber nicht alles

Heutige Kameras verfügen über sehr ausgeklügelte Automatikprogramme. Sie analysieren das Motiv und versuchen daraus eine passende Belichtung zu berechnen.

Das funktioniert oft erstaunlich gut.

Trotzdem gibt es Situationen, in denen Automatikprogramme an ihre Grenzen stoßen:

  • starkes Gegenlicht
  • sehr helle oder sehr dunkle Motive
  • Szenen mit hohem Kontrast

Die Kamera weiß nämlich nicht, was für dich im Bild wichtig ist.

Sie versucht nur einen Durchschnittswert zu berechnen.

Und genau hier kommt das Verständnis der manuellen Belichtung ins Spiel.


Das Belichtungsdreieck verstehen

Um die Belichtung eines Fotos zu steuern, stehen dir drei Werte zur Verfügung:

  • Belichtungszeit (Dauer)
  • ISO (Sensorempfindlichkeit)
  • Blende (Öffnungsgröße durch die das Licht einfällt)

Diese drei Parameter beeinflussen gemeinsam die Helligkeit eines Bildes – aber jeder von ihnen verändert gleichzeitig auch die Bildwirkung und die Grafik verdeutlicht:


Die Belichtung ist die Balance aus drei Werten, wird also zum Beispiel die Zeit verlängert und so mehr Licht hinein gelassen so muss die Sensorempfindlichkeit oder die Blenden-Öffnung angepasst werden um wieder in Balance zu sein.


Die Belichtungszeit

Die Belichtungszeit beschreibt, wie lange der Sensor Licht sammelt.

Typische Werte sind zum Beispiel:

  • 1/1000 Sekunde
  • 1/250 Sekunde
  • 1/60 Sekunde

Eine kurze Belichtungszeit friert Bewegungen ein.
Eine lange Belichtungszeit kann Bewegungen sichtbar machen.

Beispiele:

  • fließendes Wasser bei Langzeitbelichtung
  • eingefrorene Bewegung bei Sportfotografie

ISO – die Lichtempfindlichkeit

Der ISO-Wert beschreibt die Empfindlichkeit des Sensors gegenüber Licht.

Ein niedriger ISO-Wert bedeutet:

  • wenig Rauschen
  • hohe Bildqualität

Ein hoher ISO-Wert bedeutet:

  • höhere Lichtempfindlichkeit
  • aber auch stärkeres Bildrauschen

Deshalb gilt meist:

So niedrig wie möglich, so hoch wie nötig.


Die Blende

Die Blende befindet sich im Objektiv und bestimmt, wie groß die Öffnung ist, durch die Licht auf den Sensor fällt.

Sie wird mit sogenannten f-Werten angegeben:

  • f/1.8
  • f/4
  • f/8
  • f/16

Eine große Öffnung (kleine f-Zahl) lässt viel Licht hinein und erzeugt eine geringe Tiefenschärfe.
Eine kleine Öffnung (große f-Zahl) lässt weniger Licht hinein und sorgt dafür, dass mehr vom Bild scharf erscheint.


Balance statt Einzelentscheidung

Die drei Werte stehen immer in Beziehung zueinander.

Wenn du einen Wert veränderst, musst du meist auch einen der anderen anpassen.

Ein Beispiel:

Wenn du die Belichtungszeit verlängerst, fällt mehr Licht auf den Sensor.
Um das auszugleichen kannst du:

  • die Blende schließen
  • oder den ISO-Wert reduzieren

Fotografie ist also immer ein Spiel aus Balance und Entscheidung.


Der Belichtungsmesser in deiner Kamera

Damit du nicht völlig im Dunkeln tappst, besitzt jede Kamera einen eingebauten Belichtungsmesser.

Wenn du durch den Sucher schaust, siehst du meist eine kleine Skala mit einem Marker in der Mitte.

Sie zeigt dir an, ob dein Bild nach Meinung der Kamera:

  • zu dunkel: unterbelichtet – Hier um eine Blende.
  • oder korrekt belichtet ist.
  • zu hell: überbelichtet – Hier um mehr als drei Blenden!

Jede große Markierung auf der Skala entspricht einer Arbeits-Blende. Also der Lichtmenge die sich z.B. durch das Verändern der Blende von 4.0 auf 5.6 (oder umgekehrt) ergeben würde.
Die kleinen Marker dazwischen geben also jeweils eine Drittelung der Skala vor.

Der Marker sollte im Idealfall in der Mitte landen.

Allerdings gilt auch hier:
Die Kamera kennt dein Motiv nicht.

Gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen kann es sinnvoll sein, bewusst von dieser Empfehlung abzuweichen.

Außerdem gibt es noch Hand-Belichtungsmesser, also tragbare kleine Geräte, auf die ich in einem separaten Beitrag eingehen werde.


Automatikprogramme der Kamera

Die meisten Kameras bieten verschiedene Belichtungsprogramme.

Zu den wichtigsten gehören:

P – Programmautomatik
Die Kamera entscheidet über Zeit und Blende.

S – Zeitautomatik
Du wählst die Belichtungszeit, die Kamera passt die Blende an.

A – Blendenautomatik
Du wählst die Blende, die Kamera bestimmt die Belichtungszeit.

M – Manuell
Du entscheidest selbst über alle Werte.

Gerade zum Lernen sind die Halbautomatiken sehr hilfreich.

Du kannst dich zum Beispiel auf die Blende konzentrieren, während die Kamera die passende Belichtungszeit berechnet.


Automatik ist kein Fehler

Viele Fotograf*innen glauben, dass man ausschließlich im manuellen Modus fotografieren sollte.

Das stimmt so nicht.

Auch professionelle Fotografen nutzen regelmäßig:

  • Zeitautomatik
  • Blendenvorwahl
  • oder Programmautomatik

Der Unterschied ist nur:

Sie verstehen, was die Kamera macht.


Fazit

Richtig zu belichten bedeutet nicht, immer exakt dieselben Werte zu verwenden.

Es bedeutet vielmehr, die drei Parameter ISO, Zeit und Blende bewusst zu kombinieren, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen.

Manchmal hilft dir die Automatik dabei.
Manchmal musst du selbst eingreifen.

Wichtig ist nur, dass du verstehst, was in deiner Kamera passiert.

Die Wahl der Werte wird von Fotografierenden und/oder den Motiven also gestaltet/ vorgegeben und sobald du das Prinzip einmal verinnerlicht hast, wird Fotografieren deutlich entspannter.

Und genau dann beginnt der wirklich kreative Teil.

Hab Spaß beim Fotografieren – und bleib neugierig.

Marvin Rust

Marvin Rust
Fotografenmeister, Werbefotograf und von 2017 bis 2025 Dozent für Fotografie und Bildbearbeitung in Kiel. Mehr über mich

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